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Der Afghanistan-Krieg bei Anne Will

24. Januar 2011

Anne Will: „Im Krieg gedient – zu Hause ausgedient“. Gäste: Dirk Niebel, Jürgen Todenhöfer, Heike Groos, Thomas Ostermeier und Matthias Matussek.

Als normalerweise Fernsehloser hatte ich heute abend bei Freunden die Gelegenheit, erst den Tatort „Heimatfront“ und anschließend „Anne Will“ zu sehen, die das Tatortthema als Vorlage nahm. War der Einstieg mit Heike Groos, ehemalige Militärärztin, 2. Vorsitzende des  „Bund deutscher Veteranen“ und von 2003 bis 2007 im Einsatz in Afghanistan, noch sehr interessant, weil endlich mal der Skandal, daß Veteranen und Opfer dieses Krieges in Deutschland jahrelang um Renten und Entschädigungen kämpfen müssen, thematisiert wurde, nahm das Niveau im Laufe der Sendung doch sehr ab.  Was mich jetzt aber dazu bewogen hat, darüber in meinem Blog zu schreiben (nicht nur, um nach langer Krankheit diesen Blog wieder aufzunehmen), war vor allem das Statement des Teilnehmers Matthias Mattusek. Matussek verteidigte den Krieg in Afghanistan damit, daß dort (!) Freiheitsrechte für die Bevölkerung , die von den Taliban unterdrückt wird, erkämpft und verteidigt werden.

Es ist sehr interessant, daß man die Werte und Freiheiten, die in Europa in einem langen Prozess erkämpft werden mußten, dort erstreiten bzw. gegen die Taliban verteidigen möchte, während dieselben Freiheitsrechte hierzulande von den geistigen Geschwistern der Taliban mit Füßen getreten werden dürfen. Ohne Herrn Matussek etwas in den Mund zu legen, muß die vollkommen zynische Frage (meinerseits sicherlich der Uhrzeit geschuldet) gestattet sein,ob man in Deutschland jetzt auch bewaffnet gegen die Unterdrücker der Freiheitsrechte vorgehen muß, damit der Kampf gegen die Unfreiheit als solcher anerkannt wird  ? Oder warum werden hier in Deutschland diejenigen, die nicht die bewaffnete, sondern die demokratische Auseinandersetzung suchen, von eben jenem „Spiegel“, dessen Redakteur er ist, beleidigt, beschimpft, als „islamophob“ und „rassistisch“ diffamiert ? Es ist derselbe totalitäre Islam, der in Afghanistan und hier in Deutschland z.B. die Frauen als Menschen 2. Klasse behandelt, kriegerisch gegen Andersgläubige kämpft, Gewalt gegen Homosexuelle verübt und fordert „Köpf die, die den Islam beleidigen“.  Es ist derselbe Islam, der hier Moscheen baut und sich „friedlich“ gibt, gegen den unsere Jungs dort kämpfen und traumatisiert nach Hause kommen. „Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“ sagte Peter Struck. Vielleicht sollten wir lieber unsere Jungs heimholen und Deuschland zu Hause verteidigen …

Dirk Niebel versuchte den Einsatz dahingehend zu verteidigen, daß man ja ein Terrorregime beendet und eine demokratische Regierung eingesetzt hätte, was Jürgen Todenhöfer zu der Frage veranlaßte, ob denn zukünftig auch gegen Nordkorea oder den Jemen vorgegangen wird, was ja nicht einer gewissen Logik entbehrt. Zu nennen wären z.B. auch noch Iran (Schwule an Baukräne), Ägypten (dort wird gerade ein Völkermord an den Kopten verübt), Pakistan (Todesurteile gegen Apostaten), diese Liste darf auch noch beliebig durch die Kommentatoren erweitert werden. Natürlich haben die Menschen in Afghanistan Angst davor, daß die NATO abzieht, weil es keine 3 Tage dauert, bis die Taliban die Macht wieder übernehmen. Aber wenn selbst die damalige UDSSR mit immensem Aufwand an Menschen und Material nicht militärisch siegen konnten, wieso sollten wir uns dort engagieren ? Die Bevölkerung dort muß auf Dauer mit den Taliban selber fertig werden, wenn es denn die Mehrheit überhaupt will, was ich inzwischen eher bezweifele.

Zum Schluß der Sendung brachte Anne Will die Diskussionsteilnehmer noch allesamt in eine peinliche Situation, indem sie noch Herrn Guttenbergs aktuelles Krisenmanagement thematisieren wollte (was von ihrer Wortwahl her wohl eher ein Tribunal werden sollte), das gehörte überhaupt nicht in die Sendung und die Teilnehmer spiegelten ihr dies zum Glück auch sehr eindeutig, sie wollten keine Verurteilung ohne Fakten auf Grund von Gerüchten vornehmen (da sollten sich Bild, Spiegel, TAZ und Konsorten mal ein Beispiel dran nehmen!)  Was das sollte, darüber kann man nur spekulieren, es roch aber sehr nach einem Auftrag, den „Gutti“ in der Sendung in Abwesenheit noch fertigzumachen. Egal, was man von ihm als Politiker hält, dieser Stil war einfach unterirdisch.

Ob es ein nächstes Mal „Anne Will“ für mich gibt, weiß ich noch nicht, aber wohl eher nicht. Bis auf den Anfang war das doch eher Zeitverschwendung.

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