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Ein Volk von einig Kranken

24. November 2010
BILD Werbung / "BILD" advertising

Image via Wikipedia


Als regelmäßigem Nicht-Bild-Leser fallen mir trotzdem die Schlagzeilen in den Kästen ins Auge. Wenn so wichtige Dinge wie die Verlobung oder Affären eines Adligen passieren oder in China ein Sack Reis umfällt, ist Bild selbstverständlich in der ersten Reihe für seine Leser dabei. Am Samstag beim Brötchenkauf lag jedoch die untere Hälfte zuoberst, und da erhaschte ich den Blick auf die Meldung unten rechts:

„Krankheit Liebeskummer“

Für mich kein Grund, die Zeitung zu kaufen oder eines 2. Blickes zu würdigen, doch das ging mir komischerweise nach. Krankheit Liebeskummer … „Krankheit“ Liebeskummer ????? Wenn Bild schreibt, vielleicht sogar demnächst „Volkskrankheit Liebeskummer“ ????

Seit wann ist Liebeskummer eine Krankheit ? Natürlich ist Liebeskummer nicht schön, aber er gehört nun mal seit Jahrtausenden zum zivilisierten Menschen. (Auch oder gerade wenn Menschen heute noch gegen Ihren Willen in archaischen Gesellschaften zwangsverheiratet werden.) Wer kennt nicht das Gefühl, jemanden anzuschmachten, der einen nicht erhört? Oder der vielleicht nach kurzer Beziehung schon wieder „Tschüss“ sagt ? Das gehört zum Leben einfach dazu, der Mensch ist die Summe seiner Gefühle, Fehler und Erfahrungen; dazu gehört nun einmal Liebeskummer, genauso wie Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen, Schmerz über die Enttäuschung (egal, ob in Liebes-, Familien-, Wirtschafts- oder anderen Dingen) oder Triumph, wenn man die eigenen Grenzen bei Prüfungen oder Wettkämpfen erfolgreich erweitert hat. Wird das demnächst auch alles „Krankheit“ ? Wer definiert das eigentlich ? Nun, bei „Gemütskrankheiten“, zu denen der Liebeskummer unzweifelhaft zählt, läßt sich diese Frage eindeutig beanworten. Darüber entscheidet nämlich die Elite des etwas  zweifelhaften Berufsstandes der Psychiater, die das „DSM“ herausgeben. Davon haben Sie noch nie gehört ? Sollten Sie aber, denn die Entscheidungen, die mit der Herausgabe dieses Verzeichnisses getroffen werden, könnten demnächst Ihr Leben gegen Ihren Willen beeinflussen.

Das DSM, das Diagnostische und Statistische Manual psychischer Krankheiten, ist die Sammlung der „anerkannten“ psychischen Störungen. Unter dem Oberbegriff „Schwermut“ wurden bis ca. 1850 ca. 6 versch. Krankheiten zusammengefasst, dazu kamen noch „Raserei“, „Fallsucht“ und wenige andere anerkannte Störungen, insgesamt ca. ein Dutzend. Als das DSM 1952 zum ersten Mal veröffentlicht wurde, umfasste es bereits 112 anerkannte Störungen. 1968, in der 2. Auflage, waren es bereits 163, die 3. Auflage (1980) kannte schon 224 Diagnosen und sage und schreibe 374 (!!!) „Krankheiten“ wurden in der vorerst letzten Auflage von 1994 „erkannt“.  Wer sich einzelne Stilblüten daraus ansieht, fasst sich als denkender Mensch einfach nur noch an den Kopf (aber Vorsicht mit Kritik, „Kritiksucht“ steht schon auf der Wunschliste für die nächste Auflage). Haben Ihre Kinder mehr Lust aufs Spielen statt auf Mathe ? Nr. 315.4, „Entwicklungsmentale Arithmetische Störung.“ Oder sind Sie vielleicht mit den Entscheidungen ihres Chefs nicht einverstanden ? Vorsicht, die Nr. 313.8, „Oppositionelle Trotzstörung“, könnte auch Sie demnächst zum Fall für den Psychiater machen. Sie behaupten aber, geistig gesund zu sein und verweigern den Therapeutenbesuch ? Die Diagnose „Behandlungs-Verweigerungs-Störung“ (Nr. 15.81) macht Sie dann halt zu einem Fall für die geschlossene Abteilung des zuständigen Landeskrankenhauses. Ich übertreibe? Bloß nicht, sonst handele ich mir noch ein „Fiktions-Störungs-Symdrom“ ein. (Daß ich keine Fiktions-Störung habe, beweist dieser Artikel auf Kopp-Online.) Ginge es nach dem bekannten Evolutionisten Richard Dawkins, müßten sich auch alle „religiös Empfindenden“, also so rund 80-90% der Weltbevölkerung in Therapie begeben, denn nach einer  Aussage von ihm sind diese Menschen „Schläfenlappen-Epileptiker“ (vermutete Ursache von „Visionen“).

Neben diesen genannten, äußerst gefährlichen „Krankheiten“, gibt es auch noch „Ängste“. Umfragen ergeben, dass die Deutschen ziemlich viel Angst haben: vor Arbeitslosigkeit (69%), Wirtschaftskrise (72%), Terror (67%), „Klimawandel“ (61%), usw.

Einige Ängste, im Fachjargon Phobien, sind bereits im DSM: Klaustrophobie (geschlossene Räume), Autophobie (Alleinsein), Arachnophobie (Spinnen), und etliche andere. All diesen ist gemein, dass es „anerkannte“ Therapien gibt, die zum Teil auch eine erhebliche Medikation bedeuten, z.B. mit Beruhigungsmitteln (Diazepam, das Bekannteste ist

Eine Dose mit Valium

Image via Wikipedia

Valium) oder Antidepressiva. Diese Medikamente greifen massiv in den Körper ein und führen in den meisten Fällen zu Persönlichkeitsveränderungen, zumindest aber zu einer „ruhigeren“, will meinen besser beeinflussbaren bzw. manipulierbaren Person, die dann auch empfänglich ist für die andere Seite der Therapie, nämlich der Umprogrammierung, also der gesteuerten Veränderung des Verhaltens oder der Wahrnehmung durch den Therapeuten. Oft werden auch Mantra-ähnliche Sprüche mitgegeben, z.B. „Ich habe alleine keine Angst“ oder „Spinnen in Deutschland sind nicht gefährlich“ oder so was. Das soll man sich dann vorsagen, wenn man in eine Angstsituation kommt…

Seit einiger Zeit ist in der öffentlichen Debatte noch eine weitere Angst, also Phobie, dazugekommen: die Islamophobie. So werden in Deutschland Menschen bezeichnet, wie z.B. der bekannte Politiker und Autor Thilo Sarrazin, die auf die Probleme in Deutschland gerade mit Zuzüglern (Migranten) aus dem islamischen Kulturkreis hinweisen. (Ob diese Ängste berechtigt sind oder nicht, wird Thema weiterer Beiträge dieses Blogs sein). Nach letzten Umfragen haben 75% der Deutschen „große Angst“ (39%) oder „Angst“ (36%)  davor, dass sich der Islam in Deutschland zu stark ausbreitet, sie sind also im Sprachgebrauch der Political Correctness „islamophob“.

Da Phobien anerkannte Krankheiten sind und Phobiker (so nennt man die Patienten, die unter Phobien leiden) oft in die Nähe von „Wahnvorstellungen“ gerückt werden (siehe „Fiktions-Störungs-Symdrom“ weiter oben), sind wir ein Volk von einig „Kranken“, die entweder an neuen „Volkskrankheiten“ oder an „Phobien“ leiden und die demnächst alle eine Behandlung brauchen ! Am besten mit den oben erwähnten Therapien.

Und wenn wir nicht wollen ? Haben wir dann alle eine „Behandlungs-Verweigerungs-Störung“ ? Müssen wir dann alle „umprogrammiert“ werden ?

Hier schließt sich der Kreis. Bleiben wir also lieber „unbehandelt“ – und weiter aufmerksam kritisch gegen Mainstream und Verblödung.

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5 Kommentare leave one →
  1. Amal permalink
    25. November 2010 21:03

    Nicht schlecht für den Anfang! Was kommt als Nächstes?

  2. vindexsinenomine permalink
    30. November 2010 12:01

    Ich empfehle dem Schreiberling mal ein wenig unter echten Phobien, etwa der äußerst unangenehmen und einschränkenden sozialen Phobie in einer der schweren Formen, zu leiden und dann schauen wir mal, ob das kleine Männlein dann noch wagt gegen Antidepressiva zu hetzen und Phobien als Kleinigkeiten zu diffamieren.

  3. 30. November 2010 13:58

    Sie haben leider nicht viel verstanden, sonst würden Sie nicht so antworten. Natürlich habe ich das ein wenig durch den Kakao gezogen, aber ich habe selber 3 Jahre unter Panik-Attacken gelitten – und bin diese ohne Therapie und Medis wieder losgeworden. Nachdem ich bei einer Akutattacke eine(!!) Valium genommen hatte un die Wirkung gespürt habe, war mit klar, daß es anders gehen muß. Daher weiß ich, wovon ich spreche und worüber ich schreibe.
    Es hilft doch keinem wirklich Kranken, wenn eine echte Krankheit mit Liebeskummer und Angst vor dem „Klimawandel“ in eine Schublade gesteckt wird. Und „Bild“ ist nun nicht nicht gerade ein kostenloses Wochenblättchen, die haben leider eine meinungsbildende Wirkung .
    Natürlich sollen sich echte Kranke behandeln lassen – aber die Tendenz, sowohl im DSM auch in den MSM, geht dahin, jedes von einer imaginären Norm abweichende Verhalten, z.B. berechtigte Fragen nach 9/11, Kritik am Euro, Kritik am Genderismus, „Islamophobie“, nur um ein paar zu nennen, als „krank“ zu betiteln und „behandeln“ zu wollen. Nun haben wir in D Gott sei Dank nicht die Kapazitäten an Psychiatern/Psychologen, aber durch die Einführung eines „Heilpraktikers für Psychotherapie“ holen wir gewaltig auf. Im meiner Verwandtschaft ist so jemand, der kann kaum mal an einem Gespräch teilnehmen ohne regelmäßige Bemerkungen wie „Das solltest Du mal behandeln lassen“ oder „So eine Einstellung ist wirklich krank“. Und wenn neueste Statistiken schon davon sprechen, daß mehrere Millionen Deutsche erstmal einen leichten „Stimmungsaufheller“ zum Frühstück brauchen, dann kann einem Angst und Bange um dieses schöne Land werden …
    Oder finden Sie es richtig, daß mit der Modediagnose ADS/ADHS Millionen Schulkinder schon frühzeitig an Psychopharmaka gewöhnt werden ?

  4. REALM permalink
    1. Dezember 2010 15:49

    Es scheint so, dass sie aus dem Kreis der Begünstigten kommen! Wenn sie sich auch etwas mit dem was man so als Vergangenheit bezeichnet beschäftigt hätten, wäre ihr Kommentar vermutlich anders ausgefallen!!!
    Die Psychiatrie, ebenso die Psychologie (..noch etwas schlimmer!) war schon seit Freud und seinen Nachfolgern auf Irrwegen, das ist auch sehr gut dukumentiert!
    Als dann die Pharmisten draufgekommen sind, natürlich mit großer Hilfe der Psychiater und Neurologen (..vor denen habe ich große Achtung!), daß es nur ein wenig positiver Werbung bedarf, dann kann man sich die Kunden heranzüchten, begann das Geschäft zu laufen! Da die „Heilpraktiker für Psychotherapie“ keine saubere Ausbildung was den Menschen anlangt haben, verlegen die sich auf alternative ganzheitliche Deppentherapie, da ist auch Räuchern, Pendeln, Channeling usw gang und gäbe.
    Vermutlich habe ich auch einige der angeführten Anpassungsmängel, das macht jedoch meine Individualität aus, darüber bin ich sehr froh!
    Vielleicht sollten sie einmal 1984, lesen, dann geht ihnen vielleicht ein Licht an, Weihnachten ist ja bald, da gibt es wieder viel zu tun, für die großen Seelenheiler! Die versuchen etwas zu heilen, was ja ohnehin nur in unserer Vorstellungswelt existiert, ich habe keine Seele, meine Vorstellungswelt ist halt nicht konform zu der gängigen!

  5. Gottfried Vollberg permalink
    23. Januar 2011 09:32

    Islamophobie
    Muslime stellen die Kritik am Islam als Krankheit dar und bewahren sich so davor, auf zulässige Kritik an ihrem Glauben zu antworten. Ein typisches, in jeder wissenschaftlichen Diskussion unzulässiges, „argumentum ad hominem“. Es erinnert an die unseligen Zeiten der Sowjetunion. Kritiker, die von den Segnungen des Kommunismus nicht überzeugt waren, wurden in psychiatrischen Anstalten weggesperrt und mit Medikamenten „ruhig gestellt“. Wer sich als Ungläubiger mit dem Islam tiefergehend beschäftigt, der wird begründete Furcht entwickeln. Ein französischer Imam wird mit folgendem Bonmot zitiert: „Wenn ich kein Moslem wäre, hätte ich auch Angst vor dem Islam“.

    aus: http://www.islamkritik.mx35.de

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