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Schlechte Nachrichten für Griechenland reißen nicht ab – Zinsen für Staatsanleihen steigen auf über 25%

29. April 2011

Nach einer Meldung der Wirtschaftswoche sind die Zinsen für 2-jährige Staatsanleihen beim Sorgenkind Griechenland auf über 25% gestiegen, die 10-jährigen Staatsanleihen bringen dem risikofreudigen Anleger 16,4%.
Ergänzend dazu schrieb der Kölner-Stadt-Anzeiger bereits am 26.04 über das Sorgenkind Griechenland. Dem Artikel zufolge lag das Haushaltsdefizit in 2010 bei 10,5% des BIP (erlaubt sind lt. Euro-Stabilitätspakt 3%), der gesamte Schuldenberg ist auf 142,8% des BIP gestiegen (erlaubt: 60%), in absoluten Zahlen 307,5 Mrd.€ (Quelle)

Da sich diese Zahlen kaum noch jemand vorstellen kann, nehmen wir zum Vergleich einen Arbeitnehmer mit einem Nettoeinkommen von 30.000,-€. Dieser gibt 3.150,-€ pro Jahr mehr aus, als er einnimmt (10,5% Defizit). Damit hat er in den vergangenen Jahren einen Schuldenberg in Höhe von 42.840,-€ (142,8%) aufgetürmt, auf den er jetzt im Schnitt 16,4% Zinsen=7.025,76€ pro Jahr bezahlen muß. Für die letzten 3.150,-€ von 2010 muß er schon 25,1% bezahlen, also 790,65€.

Rechnen wir mal zusammen:
30.000,00 €
– 7.025,76 €
– 790,65 €
————–
22.183,59 €

Unser Musterarbeitnehmer stemmt also eine Zinslast von ca. 26% seines Einkommens, kein Wunder, daß er jährlich defizitär wirtschaftet. Griechenland hatte 2009 versprochen, innerhalb von 4 Jahren das Staatsdefizit auf die erlaubten Werte zurückzufahren. Nehmen wir wieder unseren Arbeitnehmer. Da er schon Schulden hat, verspricht er einfach Alles, um der drohenden Insolvenz zu entkommen, also seinen Schuldenberg auf 60%, sprich 18.000,- € zurückzufahren. Das bedeutet eine Tilgung von 24.840,-€ in 4 Jahren, also 6.210,-€ pro Jahr, das entspricht 20% seines Einkommens. Kann eine Bank das glauben? (Klar, wenn es schiefgeht, wird sie vom dt. Steuerzahler „alternativlos“ gerettet.) Natürlich nicht, aber unsere Politiker haben das für bare Münze genommen.
Rechnen wir weiter für das erste Jahr:
22.183,59 €
– 6.210,00 €
————
15.983,59 €

Von seinem Netto muß er im ersten Jahr der Vereinbarung fast die Hälfte für Zins und Tilgung abgeben. Vom Rest ist noch keine Miete bezahlt, noch kein Stück Brot gekauft und keine Fahrtkosten bestritten. Deshalb bekommt er (auf GR umgerechnet, das vor ziemlich genau einem Jahr 110 Mrd.€ erhalten hat, um sein Versprechen einhalten zu können) 10.731,71€ von wohlmeinenden Nachbarn „zinslos geliehen“, damit hat er dann 26.715,30€ zur Verfügung.
Merken Sie was? Das Defizit zum Einkommen beträgt knapp 3.300,-€, die muß er sich jetzt wieder zu hohen Zinsen leihen (entspricht fast genau den 3.150,-€ Defizit, für die wir am Anfang ein kurzfristiges, horrend teures Darlehen brauchten).

Was sind jetzt die Konsequenzen für unseren Arbeitnehmer? Er bekommt eine wohlmeinende Aufsichtsperson der kreditgebenden Bank, die zunächst mal seine Arbeitszeit verlängert, weil er dann mehr im Jahr verdienen kann. Außerdem werden alle überflüssigen Ausgaben gestrichen: die 40km zur Arbeit werden zukünftig mit dem Fahrrad zurückgelegt, das spart schon mal Geld. Drei Mahlzeiten am Tag sind Luxus, den gibt es nur für Banker, außerdem ist abnehmen gesund, usw.
Völlig unabhängig davon, ob unser Arbeitnehmer seine Misere selbst verschuldet hat oder auf die Kreditversprechen der Bank hereingefallen ist, diese Maßnahmen wird er nicht lange mitmachen, das wird an die Gesundheit gehen. Und das nur, um der Bank ihre Wucherzinsen zu bezahlen? Es liegt außerdem keine Logik darin, jemanden, der sowieso schon kein Geld hat, für die Möglichkeit der erneuten Geldleihe hohe Zinsen bezahlen zu lassen, wenn schon klar ist, daß er sich die nicht leisten kann. Das ist keine Hilfe, sondern Ausbeutung! Das gezielte Kaputtmachen des Schuldners, um sich seine Sachwerte unter den Nagel zu reißen…

Was bedeutet das jetzt für Griechenland? Selbst 110 Mrd.€ pro Jahr als Hilfe verringern das Defizit nicht. Der „Rettungsschirm“ umfaßt außerdem nur 80 Mrd.€ in bar (der Rest sind „Bürgschaften“; wehe, wenn die mal in Anspruch genommen werden, dann greift der Spruch aus dem Volksmund „Den Bürgen sollst Du würgen“), die gehen jährlich alleine für Griechenland drauf. Weitere Hilfen sind daher kontraproduktiv. Der so genannte Haircut, also die Streichung der Schulden auf Kosten der Gläubiger (Anm.: Mitleid wäre hier aber fehl am Platze, Wucherer haben das nicht verdient!), würde die dt. „Hilfen“ als das entlarven, was sie von Anfang an waren, nämlich „verlorene Zuschüsse“.
Und da außerdem Irland unter den Rettungsschirm geschlüpft ist und Portugal damit droht, ist die Euro-Zone die nächsten Jahre vollauf damit beschäftigt, das bei den Bürgern mittlerweile sehr ungeliebte Kunstprodukt „EURO“ zu retten, jedes Jahr aufs Neue, immer „alternativloser“.

Die Euro-Zone ist de facto eine „Schuldenübernahmegemeinschaft“, etwas, das gerade wir Deutschen vor der Euro-Einführung völlig zu Recht befürchtet haben. Der Euro gehört also aus Deutschland wieder ausgeführt, je schneller, desto besser.

Und wer jetzt das längst widerlegte und ausgelutschte Argument bringen will, daß „Deutschland ja von allen Ländern am meisten vom Euro profitiert hätte“, der sehe sich bitte Schweden an, das in einer Volksabstimmung gegen den Euro votiert hat und mit ca. 44% vom BIP eine zwar immer noch hohe, aber lösbare Aufgabe vor sich hat. Deutschlands Defizit ist dagegen alleine 2010 von 72% auf 80% gestiegen (insgesamt ca. 800 Mrd.€ alleine seit der Euro-Einführung), die Schulden laufen dem Wirtschaftswachstum längst mit mehrfacher Geschwindigkeit davon. Wer Augen hat, der sehe…

Pleitegeier statt Bundesadler: die deutsche Staatsverschuldung

Hier noch mal die Schulden-Übersicht aller EU-Staaten im Jahre 2009
Schulden der EU-Staaten_2

Weiterführende Links:
Über die Verflechtungen der Schuldner untereinander
Veranstaltung in Göttingen: Währungen sind endlich

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